Aglaja Veteranyi:
Das Regal der letzten Atemzüge (Auszug, verkürzt)
MERKBLATT
Sämtliche Fragen sind mit Worten zu beantworten,
Striche sind nicht zulässig (z.B. nie, eine, keine).
Wenden!
Referenzen. (Steuerausweis)
Sobald wir im Besitz des Steuerausweises sind, können wir Ihr Gesuch weiterbehandeln.
Zur Besprechung Ihres Gesuches um Aufnahme, bringen Sie folgende Unterlagen mit:
Steuerrechnung mit Quittungen, Steuererklärung, Ausländerausweis, Sparhefte, weitere Vermögensnachweise.
Befragung über Ihre staatsbürgerlichen Kenntnisse (es dürfen keine Notizen mitgebracht werden).
Das Einbürgerungsverfahren ist damit noch nicht abgeschlossen.
RECHNUNG: Sobald ihre Zahlung bei uns eingegangen ist, kann das Gesuch weiterbehandelt werden.
Raschmöglichste Erledigung.
Urkunde (zusammen mit einem Einzahlungsschein). [...]
Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Ihrem Gesuch stattgegeben wurde, unter dem Vorbehalt, dass sie die Einbürgerungsgebühr fristgemäß bezahlen.
BÜRGERRECHTSURKUNDE
Als Bestätigung erhalten Sie gebührenfrei die aktuelle Meldebestätigung.
EINLADUNG NEUBÜRGERFEIER
Begrüßung. Ansprache. Musik.
Aufgaben:
1. Lest den Text.
Wie wird der Einbürgerungsprozess dargestellt?
2. Informiert euch mit Hilfe des Infomaterials/ Internets über den Einbürgerungsprozess.
Ab dem 1. September 2008 wird das Einbürgerungsverfahren noch durch einen Test mit Fragen aus den Bereichen Kultur, Politik und Geschichte erweitert.
3. Sucht in Gruppen Argumente für bzw. gegen diesen Beschluss.
Infomaterial
Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration (www.einbuergerung.de)
Sie haben eine ausländische Staatsangehörigkeit, aber leben bereits längere Zeit in Deutschland? Sie wollen dauerhaft hier bleiben?
Dann laden wir Sie ein, gleichberechtigte Bürgerin oder Bürger unseres Landes zu werden und die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Sie genießen alle Bürgerrechte. Sie können in Deutschland wählen und gewählt werden. Sie genießen Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union, können in viele Länder visafrei reisen. Sie können in Deutschland Ihren Beruf frei wählen, sich niederlassen oder eine selbstständige Erwerbstätigkeit ausüben.
Deutsche/Deutscher werden durch Einbürgerung
Wie lasse ich mich einbürgern?
Wenn Sie dauerhaft in Deutschland leben, aber noch nicht deutscher Staatsangehöriger sind, können Sie sich einbürgern lassen. Das geschieht nie automatisch, sondern nur auf Antrag.
Wer stellt den Antrag?
Ab dem 16. Geburtstag können Ausländer diesen Antrag selbst stellen. Für jüngere Ausländer müssen ihre gesetzlichen Vertreter die Einbürgerung beantragen. Das sind in der Regel die Eltern.
Wo kann ich den Antrag stellen?
Welche Einbürgerungsbehörde für Sie zuständig ist, erfahren Sie bei der Stadt- oder Kreisverwaltung, dem Bezirksamt oder bei der Ausländerbehörde.
Was kostet die Einbürgerung?
Grundsätzlich sind pro Person 255 € zu bezahlen.
Für minderjährige Kinder ohne eigenes Einkommen, die mit ihren Eltern zusammen eingebürgert werden, sind 51 € zu bezahlen.
Werden Minderjährige ohne ihre Eltern eingebürgert, gilt die allgemeine Gebühr von 255 €.
Es besteht jedoch die Möglichkeit, von der Gebühr z. B. aus Gründen der Billigkeit abzuweichen und eine geringere oder gar keine Gebühr zu verlangen. Bereitet Ihnen also die Zahlung der Gebühr Probleme, weil Sie wenig Einkommen haben oder mehrere Kinder eingebürgert werden sollen, können Sie mit der Einbürgerungsbehörde besprechen, ob eine Reduzierung der Gebühr oder eine Ratenzahlung in Frage kommt.
CDU verteidigt Einbürgerungstest 12.06.08 – Focus online
Über den Einbürgerungstest soll der Bundestag entscheiden, und die Fragen sind laut Kritikern zu schwer. Doch CDU-Politiker Bosbach verteidigt das Vorhaben.
Deutschland setzt damit ein Zeichen. Dieses Zeichen heißt: Interessiert Euch bitte für das Land, dessen Staatsangehörigkeit ihr erwerben wollt“, sagte Wolfgang Bosbach am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk.
Der Politiker sagte, für die Einbürgerung sei ein ganzes Bündel von Voraussetzungen nötig. So müsse man die deutsche Sprache beherrschen und sich zum Grundgesetz bekennen.
Bosbach verteidigte auch die Strategie von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), die Tests nicht über ein Gesetz zu regeln, sondern eine Verordnung der Bundesregierung. „Darüber muss der Bundestag überhaupt nicht abstimmen“, sagte Bosbach. Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), sagte der „Süddeutschen Zeitung“ hingegen, es sei unangemessen, dass „eine so wichtige Frage am Parlament vorbei entschieden werden soll“. Über die Prüfung müsse in der Koalition „im Einvernehmen entschieden werden“. Auch der schleswig-holsteinische SPD-Vorsitzende Ralf Stegner verlangte, das Thema nochmals in der Koalition zu besprechen. „Man sollte sich möglichst parteiübergreifend auf ein Verfahren verständigen.“
Insgesamt soll der Katalog 310 Fragen umfassen, aus denen für die Tests jeweils 33 Fragen ausgewählt werden. Die Fragen umfassen die Themenfelder „Politik in der Demokratie“, „Geschichte und Verantwortung“ sowie „Mensch und Gesellschaft“. Im Ankreuzverfahren gilt es 17 von 33 Fragen richtig zu beantworten.
„Einbürgerung darf nicht von Fleißarbeit abhängen“
Auch an den den Beispielfragen entzündete sich Kritik. Es dürfe keine Prüfung geben, die auch eine Mehrheit der Deutschen nicht bestehen würde, sagte Edathy. Dies sei jedoch bei den meisten Beispielfragen der Fall. Stegner zufolge liegt der Test anders als angekündigt offenbar über Hauptschul-Niveau. SPD-Fraktionsvize Fritz-Rudolf Körper kündigte seinerseits an, dass seine Bundestagsfraktion die Tests genau prüfen wolle. „Wenn die Tests vorliegen, werden wir sie uns genau anschauen“, sagte er der „Berliner Zeitung“. „Es soll kein K.o.-Test sein.“
Skeptisch gegenüber den Tests zeigte sich auch die FDP. „Die Einbürgerung darf nicht vor allem von einer Fleißarbeit abhängen“, sagte die innenpolitische Sprecherin Gisela Piltz der „Berliner Zeitung“. Vielmehr müsse sie denjenigen gewährt werden, die ernsthaft und unmissverständlich Verantwortung als mündige Staatsbürger übernehmen wollten.
Zentralrat der Muslime begrüßt Einbürgerungstest 15.06.2008 – Focus online
SPD und Opposition haben ihr Probleme mit dem Einbürgerungstest aus dem Bundesinnenministerium, der Zentralrat der Muslime dagegen sieht den Fragenkatalog positiv.
Der Test gehe „eindeutig in die richtige Richtung“, sagte Generalsekretär Aiman Mazyek dem „Tagesspiegel“ vom Montag: „Wir haben immer gesagt, dass Fragen zu Staatskunde, deutscher Geschichte und Verfassung nicht nur zulässig, sondern auch notwendig sind.“
Auch zwei Drittel der Deutschen finden den neuen Einbürgerungstest gut. Nur 29 Prozent lehnen es ab, dass Ausländer ab dem 1. September Grundkenntnisse über die Bundesrepublik nachweisen müssen, wie aus einer Emnid-Befragung für „Bild am Sonntag“ hervorgeht. Auch SPD und Opposition hatten zuletzt Bedenken über den Test geäußert.
ZMD-Generalsekretär Mazyek sagte, in Deutschland fehle es an einer angemessenen Einwanderungspolitik wie etwa in den USA. Der Gesinnungsschnüffeltest für Muslime, das verschärfte Zuwanderungsgesetz, das zu Lasten der Türken geht, die aberwitzige Diskussion um eine Leitkultur, die ausgrenzt statt integriert“, hätten viel Vertrauen zerstört, sagte er der Zeitung.
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann kritisierte erneut, dass das Bundesinnenministerium den Katalog mit den Testfragen noch immer nicht vorgelegt habe. Die Bewerber hätten bislang keine faire Chance, sich vernünftig vorzubereiten, sagte der CSU-Politiker der „Welt am Sonntag“.
Weil die Fragen noch immer nicht bekannt sind, kämen die Volkshochschulen mit ihren Vorbereitungskursen nicht voran. „Wir können eine weitere Verzögerung jetzt nicht gebrauchen“, sagte Herrmann. Er lehnt deswegen auch die SPD-Forderung ab, den Bundestag mit den Fragen zu befassen.
Beispielfragen aus dem Fragenkatalog:
1. Die Rechtsordnung toleriert keine private Vergeltung oder Rache. Wem steht allein die
Antwortmöglichkeiten: der deutschen Gerichtsbarkeit, dem Opfer einer Straftat, dem Familienoberhaupt
2. Deutschland ist ein Bundesstaat. Was bedeutet das?
Antwortmöglichkeiten: Der deutsche Staat wird ausschließlich vom Bund kontrolliert und versorgt, Das Land darf eine Bundesliga haben, Deutschland ist ein Zusammenschluss von einzelnen Bundesländern zu einem Gesamtstaat
3. Welche der jeweils drei genannten Personen gelten alle als deutsche Philosophen?
Antwortmöglichkeiten :Sokrates, Jeremy Bentham,Tom Buhrow
Friedrich Nietzsche, Immanuel Kant, Arthur Schopenhauer
Platon, John Locke, Dieter Bohlen
| Inhalt | Zeit | Arbeitsform/Sozialform | Lernziel |
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Einstieg: Begrüßung/ Beginnen der Unterrichtsstunde
Vorstellen der verschiedenen Diskussionsformen
Austeilen des Aufgabenblattes und Erläuterung des Arbeitsauftrages
Arbeitsphase: Schüler sollen sich in zwei Gruppen einteilen
Präsentation der Ergebnisse in Form einer Podiumsdiskussion
Abschlussgespräch
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Ca. 5 Minuten
Ca.15 Minuten
Ca. 5 Minuten
Ca. 30 Minuten
Ca. 15 Minuten
Ca. 20 Minuten |
Lehrervortrag
Lehrervortrag mit anschließender Fragenklärung seitens der Schüler
Lehrervortag
Gruppenarbeit
Podiumsdiskussion. Ein Schüler jeder Gruppe vertritt die Argumente seiner Gruppe in Form einer Diskussion |
Die Schüler sollen die unterschiedlichen Formen von Diskussionen und Debatten kennenlernen und verstehen, damit sie diese bei der näachsten Aufgabenstellung anwenden können
Auf Basis des Informationsmateraials und der eigenen Recherche sollen die Schüler Argumente finden, die für bzw. gegen den Einbürgerungstest finden, um mit diesen Argumenten im Anschluss ihre Podiumsdiskussion zu führen.
Schüler sollen ihre Argumente glaubhaft präsentieren und lernen auf die Argumente der Gegenseite entsprechend zu ragieren |
Unterrichtsentwurf:
Podiumsdiskussion zum Thema Einbürgerung
1.1 Sachanalyse
Für die durchgeführte Unterrichtseinheit wurde ein Textauszug aus dem Roman „Das Regal der letzten Atemzüge“ von Aglaja Veteranyi ausgewählt. Die Autorin wurde am 17. Mai 1962 als Kind rumänischer Zirkusartisten in Bukarest geboren. Schon als Kind trat sie im Zirkus auf. 1977 flüchtete die Familie in die Schweiz. Sie veröffentlichte viele größtenteils autobiographische Werke.
Ihr Roman „Das Regal der letzten Atemzüge, welcher 2004 posthum veröffentlicht wurde, blieb unvollendet, da sie sich 2002 in Zürich das Leben nahm.
In dem ausgewählten Textausschnitt wird der Einbürgerungsprozess als bürokratischer, emotionsloser Akt beschrieben.
Um das Thema mit weiteren Informationen zu untermauern, wurden aktuelle Informationen zum Thema Einbürgerungstest in Deutschland zusammengestellt. Ab dem 1. September 2008 wird das Einbürgerungsverfahren durch einen Testkatalog über 330 Fragen aus den Bereichen Kultur, Politik und Geschichte ergänzt. Dieser Einbürgerungstest ist in den Medien und in der Politik sehr umstritten diskutiert worden. Das Informationsmaterial setzt sich zusammen aus einem Textabschnitt der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, der die wichtigsten Fragen zur Einbürgerung beantwortet. Außerdem eine Reihe aktueller Online-Artikel, die sich mit dem Thema „Einbürgerungstest“ beschäftigen und aus unterschiedlichen Perspektiven darstellen.
1.2 Didaktische Reduktion
Der ausgewählte Textausschnitt soll nicht umfangreich interpretiert werden, sondern dient lediglich als erste Annährung an das Thema. Der Leser soll ein Gefühl für den Einbürgerungsprozess aus der Perspektive eines Migranten erfahren. In der Unterrichtsstunde soll nicht das Thema „Migration“ den Schwerpunkt bilden. Stattdessen soll dieser auf den neuen Einbürgerungstest gelegt werden, da es sich um ein aktuelles Thema handelt und für eine Diskussion im Unterricht daher hervorragend geeignet ist.
1.3 Didaktisch- methodische Entscheidungen
Die Literatur unterscheidet die Diskussionsformen Debatte, Diskussion, Podiumsdiskussion und Rollengespräch. Sie alle sind dialogische Formen des Sprechens und gehören zu den Grundformen demokratischen Lebens.
Für die durchgeführte Unterrichtsstunde haben wir uns für die Podiumsdiskussion entschieden. In dieser wird der Kurs zunächst in zwei Gruppen aufgeteilt, von denen die eine Gruppe die Fürsprecher, die andere die Gegner sind. Die Gruppen sammeln Argumente, ordnen diese und überlegen sich auch, wie sie mögliche Gegenargumente entkräften können. Die Argumente werden schriftlich fixiert und anschließend von einem Vertreter vorgetragen. Diese Vertreter sind aus dem Plenum herausgestellt und stehen im Idealfall tatsächlich auf einem Podium. Diese Form der dialogischen Auseinandersetzung wird zumeist gewählt, wenn es zu viele potentielle Diskutierende gibt. Wir haben uns allerdings auch für diese Diskussionsform entschieden, weil sie eine Art Mischform ist. Zunächst diskutieren die TeilnehmerInnen in ihren Gruppen und jeder hat die Möglichkeit, seine Meinung und Überlegungen mit einfließen zu lassen. Anschließend müssen jedoch alle Argumente gesammelt und verknüpft werden, so dass eine lückenlose, überzeugende Argumentation entsteht. Diese soll die gesamte Gruppe repräsentiert und von einem alleine erfolgreich vertreten werden können. Dadurch lernen die Schüler zwischen Meinung und Tatsachen zu unterscheiden und Argumente hierarchisch aufzubauen.
Die Podiumsdiskussion wird durch die Lehrperson eingeleitet, da man annehmen kann, dass diese am besten über das Thema informiert ist. Grundsätzlich kann diese Aufgabe auch von einer SchülerIn übernommen werden, wenn diese darauf vorbereitet wird.
Es besteht bei einer Podiumsdiskussion auch die Möglichkeit, die SchülerInnen in Rollen schlüpfen zu lassen. In diesem Fall könnten sie aus der Perspektive eines CDU-Politikers, eines Einbürgerungsbewerbers, oder des Vertreters des Zentralrats der Muslime argumentieren. Allerdings haben wir uns gegen diese Variante entschieden, weil wir nicht
wollten, dass die Studierenden sich hauptsächlich auf ihre Schauspielerei konzentrieren. In unserem Fall ging es um die solide Argumentation.
Schließlich bleibt zu sagen, dass auch das Argumentieren Übung braucht und deshalb Diskussionen oder Podiumsdiskussionen regelmäßig im Unterricht stattfinden sollten.
1.4. Tabellarischer Stundenverlauf
1.5. Erwartungshorizont
Durch die Aktualität des Themas wird ein hohes Interesse bei den Schülern erhofft. Außerdem kann davon ausgegangen werden, dass einige Schüler in der Klasse selbst Erfahrungen als Migranten mit dem Einbürgerungsprozess gemacht haben. Somit wäre eine lebendige Diskussion zu erwarten.
In der der Diskussion vorangehenden Gruppenarbeit sollten die Schüler ihre sozialen Kompetenzen im Gespräch mit den anderen Gruppenmitgliedern ausbauen. Dazu gehört es seine eigene Meinung plausibel darzustellen, die Meinung der anderen kritisch zu würdigen und gemeinsam Kompromisse zu finden. Schließlich sollen die SchülerInnen gemeinsam eine solide Argumentationskette aufbauen, die als Grundlage für die anschließende Diskussion dienen sollen.
Die Schüler sind in ihrer Argumentationsfindung nicht auf das verteilte Informationsmaterial beschränkt, sondern sollten aus ihrem eigenen Wissen z.B. aus Zeitung, Fernsehen und wenn
möglich ihren eigenen Erfahrungen Argumente sammeln. Dennoch sollte diese Argumentation auf Faktenwissen aufgebaut werden. Die Fürsprecher sollten herausarbeiten, dass dieser Einbürgerungstest zeigt, dass der Bewerber ein grundlegendes Interesse für das Land vorweist, die Sprache ausreichend beherrscht und die fundamentalen Punkte der Verfassung kennt. Außerdem könnten die SchülerInnen ihre Argumente untermauern, in dem sie die staatliche Förderung durch Vorbereitungskurse für diesen Test nennen und betonen, dass der Test mehrmals wiederholt werden kann und dadurch für jeden zu schaffen ist.
Die Gegner könnten die geringe Aussagekraft eines solchen Multiple-Choice Tests über die Gesinnung und den Integrationswillen des Bewerbers kritisieren. Außerdem fordert der Test ein Faktenwissen, welches für das tägliche Leben irrelevant und teilweise selbst bei deutschen Staatsbürgern nicht vorhanden ist.
In der Podiumsdiskussion sollte der ausgewählte Vertreter jeder Gruppe die zusammen herausgearbeiteten Argumente glaubhaft und überzeugend vorstellen. Zudem sollte ein Gespräch entstehen, in welchen die beiden Parteien auf die Argumente des Vorredners Bezug nehmen und auch dementsprechend antworten. Eine Aneinanderreihung von Argumenten ohne Bezug zueinander sollte nicht entstehen.
In der anschließenden Abstimmung sollen sich die SchülerInnen auf Grund der vorgetragenen Argumente eine eigene Meinung gebildet haben. Dabei sollen sich die SchülerInnen von der anfänglichen Einteilung in die Gruppen pro und contra lösen.
1.6 Reflexion
Diese Art und Weise des Unterrichts verlangte von uns eine umfangreiche Vorbereitung der Stunde. Wir mussten uns zunächst viel Hintergrundwissen zum Einbürgerungsprozess und der laufenden Debatte eineignen. Vor allem der Zugang zu Informationen über den bürokratischen Ablauf der Einbürgerung war beschränkt. Doch auf Grund der Medienpräsenz war die Informationsbeschaffung zu der aktuellen Debatte problemlos.
Dennoch wurde von Seiten der Studenten kritisiert, dass zu wenig Information über die Veränderungen des Einbürgerungsprozesses in den letzten Jahrzehnten vorhanden war. Dadurch fehlte den Studenten und Studentinnen ein Vergleich des jetzigen Verfahrens zum damaligen.
Des Weiteren ist uns aufgefallen, dass eine genaue Erläuterung der Diskussionsform nötig ist, um den reibungslosen Einstieg in die Gruppenarbeitsphase zu gewährleisten.
Bei unserer Unterrichtsdurchführung ist die mündliche Vorstellung der Debattenformen undurchsichtig gewesen, wodurch viele Fragen seitens der Studierenden entstanden sind. Einige StudentInnen hatten ihre eigenen Vorstellungen und Wissen über Diskussionsformen, die sie mit denen von uns vorgestellten Formen kaum verbinden konnten. Die dadurch an uns gestellten Fragen konnten wir teilweise nicht beantworten, da wir damit nicht gerechnet haben und anscheinend nicht genug Erfahrungen mit Diskussionsformen in der Schule haben. Allerdings wird dieses Problem in der Schule wahrscheinlich nicht auftauchen, da die Schüler in der Regel nicht über die Methodenvielfalt informiert sind.
Unter den Studierenden kam es zu Verwirrungen, da sie nach der Vorstellungsphase nicht wussten, welche Diskussionsform sie nun vorbereiten sollten und welche Anforderungen
diese erfüllen muss. Das Problem kann behoben werden, indem man nur die für den Unterrichtsverlauf gewünschte Diskussionsform vorstellt und erklärt. Dadurch wird der Arbeitsauftrag eindeutiger formuliert. (Noch besser: Sie wissen um die Methoden und stellen den Schülern diese vor, die Schüler entscheiden, welche Form für dieses Thema sinnvoll ist!)
Bei der anschließenden Gruppeneinteilung wurden die KursteilnehmerInnen von uns willkürlich in pro und contra geteilt. Diese Verfahrensweise wurde seitens der Studierenden kritisiert, da sie lieber nach eigener Überzeugung argumentiert hätten. Allerdings war dies von uns beabsichtigt, um die TeilnehmerInnen dazu aufzufordern, sachlich zu argumentieren, auch wenn die persönliche Meinung dem zu vertretenen Standpunkt nicht entspricht. Damit wurde auch eines unserer angestrebten Lernziele gefördert, nämlich nicht die eigene Meinung zu formulieren, sondern an Hand sachlicher Information überzeugende Argumente zu entwickeln.
In der Gruppenarbeitsphase wurde lebhaft diskutiert. Die TeilnehmerInnen setzten sich produktiv mit dem Thema auseinander und nutzen das Informationsmaterial sinnvoll für ihre Argumentation.
Als es zur Podiumsdiskussion kommen sollte, wollte keiner der Fürsprecher die Vertreterrolle übernehmen. Keiner der Gruppenmitglieder war auf Grund seiner persönlichen Meinung für einen Einbürgerungstest und sah sich deshalb in der Lage, diesen Standpunkt zu vertreten. Sie sahen sich bereits in der Verliererposition. Diese erste Schwierigkeit kann einfach gelöst werden, indem die Lehrkraft zu Beginn der Gruppenarbeit darauf achtet, dass ein Vertreter in der Gruppe gewählt wird und dieser gleich fixiert wird.
Die Diskussion bestand größtenteils aus Fragen von Seiten der Gegner über den Nutzen und die Aussagekraft eines solchen Tests. Diese wurden von den Fürsprechern souverän beantwortet und mit den eigenen Argumenten verknüpft. Auch das Publikum verfolgte die Diskussion konzentriert, obwohl es nicht aktiv am Geschehen beteiligt war.
Bei der anschließenden Abstimmung entschieden sich neun von zwölf Studenten entgegen ihrer persönlichen Meinung für einen solchen Einbürgerungstest. Das verdeutlicht nochmals die Wichtigkeit einer guten und strukturierten Präsentation der Argumente.
Nach der Podiumsdiskussion gab es reichlich Gesprächsbedarf unter den Kursteilnehmern.
Die Studierenden hatten noch weiterführende Fragen zum Thema und erzählten von ihren eigenen Erfahrungen im Bezug auf die Einbürgerung. Dies zeigt das große Interesse für dieses Thema.
Für ein Anschlussgespräch sollte bei der Stundenplanung genügend Zeit mit eingeplant werden. Bei unserer Durchführung haben wir die Gesprächsbereitschaft unterschätzt.
Die Gruppe hätte sich noch länger über das Thema austauschen wollen. Rückblickend war unser Unterrichtsvorhaben erfolgreich und auch die eingeplanten Unterrichtsziele wurden erreicht.
Literatur:
U. Abraham u.a. (Hg.): Praxis des Deutschunterrichts. Arbeitsfelder, Tätigkeiten, Methoden,
Donauwörth 2005.
L. Rössner: Gespräch, Diskussion und Debatte, Berlin 1967.
R. Vogt: Im Deutschunterricht diskutieren. Zur Linguistik und Didaktik einer kommunikativen Praktik, Tübingen 2002.
U. Abraham et al (Hg.): Praxis des Deutschunterrichts. Arbeitsfelder, Tätigkeiten, Methoden, Donauwörth 2005. S. 137.